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Pelikan will zurück an die Spitze

Nach der Vereinigung ist der Konzern optimistisch

Es kommt in der Wirtschaft nur selten vor, dass die Zerschlagung eines Unternehmens in mühevoller Kleinarbeit rückgängig gemacht wird.
Diesen Ausnahmefall erlebt gerade eine hannoversche Traditionsfirma: Pelikan.
Ausgerechnet ein malaysischer Unternehmer hat den einst von der Metro zerschlagenen Konzern wieder zusammengeführt.
Pelikan-Mehrheitseigentümer Loo Hooi Keat kaufte das Druckerpatronengeschäft zurück – und mit ihm die zweite geschichtsträchtige hannoversche Marke Geha. Bei Pelikan sprechen sie von nicht weniger als der „Wiedervereinigung“.

Just zum 170. Geburtstag ist aus Pelikan damit wieder ein schlagkräftiger Konzern geworden, der sich auf vier Geschäftsfeldern tummelt: den Schreibgeräten, Schul- und Büroutensilien vom Radiergummi bis zum Textmarker, Druckerpatronen und Präsentationssysteme wie Beamer oder Overhead-Projektoren. „Wir wollen in der Schule und im Büro wieder die Nummer eins sein“, sagt Arno Alberty, Vertriebsvorstand der Pelikan Holding. Mit dem vor 125 Jahren eingetragenen Warenzeichen im Rücken könne Pelikan nun endlich in allen Bereichen expandieren. „Wir investieren wieder in die Marke“, sagt Alberty.

Davon profitiert auch der Standort Hannover. Der Konzern hat Zentralfunktionen der Schweizer Europa-Holding zurück an die Leine geholt.
Mit Alberty und Finanzchef Peter Raijmann sitzen seit Juni zwei der vier Holding-Vorstände am Lister Yachthafen, wo bislang vor allem die deutsche Vertriebszentrale ihren Sitz hatte. „Das ist unser Bekenntnis zum Standort“, sagt der Manager. Aus den 120 Mitarbeitern, die vor fünf Jahren in das neue Gebäude umgezogen waren, sind inzwischen 200 geworden.

Von hier aus organisiert Alberty die Expansion. „Wir gehen überall in die Boomländer“, sagt der Vertriebschef. Vor allem in Osteuropa sieht er große Absatzchancen: Russland, Polen und Ungarn stehen derzeit im Fokus. „Unser Türöffner sind immer die hochwertigen Schreibgeräte.“ Mit den Edelfüllern aus dem wichtigsten Pelikan-Werk in Vöhrum bei Peine und dem Zusatz „Made in Germany“ bekomme man leicht einen Zugang zu den Ländern, auf denen die Marke Pelikan bislang noch wenig bekannt sei.

Gut jeder zehnte der rund 3 Millionen Schreiber, die Vöhrum im Jahr verlassen, ist ein Edel-Füller. Die Schreiber sind teils mit goldener Feder versehen und bis zu 8000 Euro teuer. Sie werden zum Großteil noch in Handarbeit gefertigt und sogar vor der Auslieferung „eingeschrieben“. „Hier kommt es auf die Mitarbeiter und deutsche Technologie an“, sagt Alberty, „das geht nicht im Ausland.“ An dem vor 35 Jahren gegründeten letzten deutschen Produktionsstandort von Pelikan, wo 280 Mitarbeiter arbeiten, werde deshalb auch nicht gerüttelt.

Die Entwickler in Vöhrum arbeiten derzeit ebenfalls auf Hochtouren. Ein Nachfolger des Schulfüller-Klassikers „Pelikano“ sei derzeit in Arbeit, sagt Alberty. Bereits auf dem Markt ist das neue Schreiblernsystem „Griffix“, bei dem die Nachfrage offenbar weitaus größer ist, als der Konzern anfangs kalkuliert hatte.
Die Druckerpatronensparte hat unter dem Namen „Power Pad“ eine Art Nachfüllsystem für den Hausgebrauch entwickelt, mit dem die leeren Patronen der gängigsten Hersteller wieder befüllt werden können.

„Wir bringen so viele Produkte auf den Markt wie seit 20, 30 Jahren nicht mehr“, sagt Alberty. Gerade im stagnierenden deutschen Markt, der noch immer mehr als die Hälfte des Europageschäfts ausmacht, haben die Händler schon länger darauf gewartet. Die Marke Geha, die zuletzt ebenfalls noch im Papier- und Druckerbereich tätig war, will die Holdingspitze komplett auf die Präsentationssysteme konzentrieren. „Geha entdecken wir gerade wieder“, umschreibt es der frühere Henkel-Manager.

Doch bei organischem Wachstum will es Pelikan nicht belassen. Mit der solventen malaysischen Mutter im Rücken „sind wir willens und in der Lage, weitere Firmen zu akquirieren“, sagt Alberty.
Derzeit sei man bereits in konkreten Verhandlungen, über den potenziellen Partner schweigt sich der Konzern noch aus. Mit aktuell etwa 300 Millionen Euro Umsatz habe Pelikan für einen global agierenden Spieler noch nicht die richtige Größe, meint der Vertriebschef. Deshalb peile man mittelfristig ein Volumen von einer halben Milliarde Euro an. Dann hätte eine der ältesten deutschen Marken endgültig ihren Weg von Hannover um die Welt gemacht.

Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 28. Juli 2008



 
 
 
 
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