Pelikan schreibt Geschichte
Pelikan schreibt Geschichte
Pelikan - das ist mehr als ein Unternehmen. "Ein Stück hannoversche Wirtschaftsgeschichte", sagt der Direktor des Historischen Museums, Thomas Schwank. Sein Haus hat der Weltfirma mit dem berühmten Vogel-Logo eine Ausstellung gewidmet. Sie ist bis zum 13. Juli zu sehen. Ein reizvoller Rückblick auf 170 Jahre Firmengeschichte im Spiegel von Postern, Plakaten und Produkten vom Patronenfüller bis zum Pelikanolkleber.
Aus dem Leben einer Weltfirma
Er ist das lebendige Gedächtnis eines Weltunternehmens: Jürgen Dittmer. „Lebenslänglich Pelikan” - unter diesem Slogan im
Ausstellungsraum des Historischen Museums stand Dittmer gestern - und der Spruch trifft auf ihn wie auf kaum einen anderen
zu.
Der 79-Jährige hat 1948 bei dem Unternehmen angefangen. 1993 hat er seine aktive Berufstätigkeit bei Pelikan beendet. Aber
noch immer schreibt er Firmengeschichte auf. „Ich habe einen Arbeitsvertrag über 50 Tage im Jahr.”
Dittmer kann die Entwicklung des Unternehmens seit Gründung durch Carl Hornemann 1838 als Malerfarbenfabrik imTiefschlaf aufzählen:
Übernahme durch Günther Wagner 1871, Eintragung des Markenzeichens Pelikan 1878, Übernahme durch Fritz Beindorff 1895, Umzug
vom Engelbosteler Damm an die Podbi 1906.
Pelikan hat erst Farben und Tinten gekocht, dann nach und nach die Produktpalette erweitert: um den legendären Büroleim Pelikanol,
um Kohlepapier, um Deckfarben, Füllfederhalter (Premiere des ersten Modells 1929), um Kopiersysteme, Spiele, Radiergummis,
Tintenkiller.
Konkurrent auf vielen Geschäftsbereichen war die Geha, 1890 in Buchholz von den Gebrüdern Hartmann gegründet. „Kohlepapier
von Geha oder von Pelikan, das war damals in den 50er Jahren eine Glaubensfrage für Sekretärinnen", so Dittmer. Das war, als
die Jungen auf den Schulhöfen stritten, ob der eigene Füller von Geha oder der silber-blaue „Pelikano” (Markteinführung 1960)
des Schulkameraden der bessere sei.
Wer hat nicht mit dem grün-schwarz gestreiften Füllfederhalter 400 geschrieben, der 1950 erschien und
1982 als „Souverän” seine Renaissance erlebte? Man nannte ihn auch Stresemann, wegen der gestreiften Hosen, die
der einstige deutsche Außenminister als Teil des diplomatischen Dienstanzugs erhoben hatte. Noch vornehmere Versionen
hatten Schildpattkörper und doublée-vergoldete Hülsen.
„Die Produktpalette gehört zu den besten ihrer Art”, sagt Museumsdirektor Thomas Schwarz, „das gilt auch für die Reklamekunst.
” Werbeposter vom Feinsten zeugen von den hohen Qualitätsansprüchen der Pelikaner auch auf diesem Gebiet. Plakatwettbewerbe
wurden veranstaltet, um Niveau zu garantieren. Entwürfe vom Jugendstil bis zum Expressionismus - ein Augenschmaus
von hohem ästhetischen Reiz.
Der Rest ist bekannt: Pelikan wurde 1984 von einer Schweizer Holding, die Aktienmehrheit 1996 von dem malaysischen Multimillionär
Hooi Keat Loo erworben. Seit 1994 wird nicht mehr in Hannover, sondern nur noch in Vöhrum bei Peine produziert. Der Pelikan
(heute 2000 Mitarbeiter weltweit) ist ausgeflogen. Allerdings nicht ganz: Die Verwaltungszentrale sitzt in Hannover am Lister
Yachthafen.
Neue Presse, 19.02.2008

