Zufallstechniken

Als Kreativitätstechnik bietet sich die Einbeziehung des Zufalls zur Generierung von Ideen an. Zufällig kann dies aber auch bedeuten, dass einem in jenem Moment nichts einfällt!

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Zufallstechniken


Dem Zufall auf der Spur: Mit Deckfarben, Pinsel und Tonkugeln lassen sich erstaunliche Bilder zaubern!

Lehrerinformation

Mit der Pelikan Deckfarbenlehre wird, neben den fundierten, theoretischen Grundlagen, auch ein breites, praktisches Spektrum abgedeckt. Dabei geht es weniger um einen Kurs im Sinne des „richtigen“ Malens, als vielmehr um die Entdeckung verschiedener Techniken. Im Vordergrund dabei steht die methodisch/ didaktische Aufbereitung zur lehrplangerechten Umsetzung der Farbenlehre in der Grundschule bis zur Sekundarstufe I.

Der 12-teilige Farbkreis als Grundlage der Deckfarbenlehre (nach dem CMYK-Druckfarbenmodell)

Blickpunkt Zufall

Manche Dinge sind dann besonders, wenn sie sich nicht berechnen lassen. Nach Albert Einstein kann dies als Zufall betrachtet werden. Dieser spielt nicht nur in vielen Alltagssituationen eine Rolle, sondern wird auch in der Kunst immer wieder als gestalterisches Element eingesetzt.

Das Thema Zufall hat mit Wahlvoraussagen, dem Wetterbericht oder den Lottozahlen längst Einzug in die alltäglichen Nachrichten gehalten. Ebenso können zufällige Entwicklungen philosophisch betrachtet werden oder es wird versucht, sie physikalisch zu erklären. Als Kreativitätstechnik bietet sich die Einbeziehung des Zufalls zur Generierung von Ideen an. Zufällig kann dies aber auch bedeuten, dass einem in jenem Moment nichts einfällt!

In der Kunst wird der Zufall immer wieder thematisiert und ist als bildgebendes Element schon seit langer Zeit bekannt. Bereits in der griechischen Antike soll der Maler Protogenes an einer bildlichen Darstellung mittels Pinsel gescheitert sein. Aus Wut über sein fehlendes Können, einen Hund mit Schaum vor dem Mund abzubilden, warf er, nach Aussage von Plinius in seiner Naturgeschichte (um 23-77 n. Chr.), einen Schwamm von sich. Der traf sein Bild zufällig an dieser Stelle und hinterließ jenen erhofften Schaum, den er selbst nicht besser hätte malen können.

Auch Leonardo da Vinci (1452-1519) experimentierte vor fast 500 Jahren mit dem Zufall. Er forderte den Betrachter auf, sich zu Flecken in Mauern Geschichten auszudenken. Dort waren neben Mauerritzen, abgestorbene Pflanzen oder verschiedene Gesteine zu erkennen, die sich vor dem geistigen Auge in Landschaften verwandeln sollten. So sollte es dem Zuschauer gelingen, sich das Kunstobjekt mit eigenen Ideen zu erschließen.

Max Ernst (1891-1976), Begründer der Frottage, ließ sich ebenfalls durch den Zufall inspirieren. Er legte Papier auf Fußbodendielen aus und rieb mit schwarzer Kohle darüber. Die zufällig entstandenen Rillen, Furchen und Kratzer erschienen unterschiedlich stark akzentuiert. Er experimentierte und entwickelte die Frottage-Technik weiter. Daraus entstand seine bekannte Bildreihe Histoire naturelle mit so schönen Motiven wie dem Muschelbaum oder dem Augenfisch. Ernst entwickelt auch die Décalcomanie weiter, also die sogenannte Abklatschtechnik, bei der ebenfalls der Zufall den Farbabdruck bestimmt.

Jackson Pollock (1912-1956) etablierte das Drip-Painting, als actionorientiertes Zufallselement in der Kunstgeschichte. Er schwenkte gefüllte Farbdosen mit Bodenlöchern wahllos übers Papier. Die dabei entstandenen Bilder ergänzte er teilweise mit zusätzlichen Farbflächen und unterstrich damit ihren Zufallscharakter.

In den 1960er Jahren nutzte Niki de Saint Phalle (1930-2002) den zufälligen Moment als Gestaltungsmittel. Sie arbeitete Farbbeutel in Gipsbilder ein und schoss anschließend auf sie, wodurch die Farbbeutel aufplatzten und so ihre Farbe zufällig auf dem sie umgebenden Untergrund verteilten.

[Quellen]

http://www.wikipedia.de

http://www.michail-schnittmann.de/unterwegs07-08.html


Material zur Unterrichtseinheit „Zufallstechniken“

Das wird allgemein benötigt:

  • Deckfarbkasten K12
  • Haarpinsel, Nr. 8 und 10
  • frisches Wasser
  • Zeichenblock Weitere Materialien sind angegeben!

Zufallstechniken

Beim Arbeiten mit Zufallstechniken geht es weniger um eine gegenständliche Abbildung. Im Vordergrund steht das durch eine zufällige Handlungsweise entstandene Motiv, welches im Unterschied zu einer bildhaften Darstellung, ein eigenständiges Ergebnis darstellt. Dementsprechend sind auch die folgenden Aufgaben angelegt, die besonders den Arbeitsprozess betonen. Als Vorgaben sollten für die Schülerinnen und Schüler probieren und experimentieren gelten. Oft entstehen so die überraschenden Bilder, mit denen vorher niemand gerechnet hätte! Etwas beeinflussen lassen sich die Bilder bei aller zufälligen Gestaltung aber dennoch: So können die Ergebnisse von der Auswahl der Farben, der Wahl des Frottage-Untergrundes und der Intensität der Farbgebung beeinflusst werden.

Spritzbilder mit Zahnbürsten oder Borstenpinseln

Benötigt wird zusätzlich:

  • Zahnbürsten (gebraucht), alternativ Borstenpinsel (12 oder 14) und Drahtsieb
  • Gegenstände zum Abdecken: z.B. Blätter, Früchte oder Papierschnipsel

Eine bekannte Technik sind Spritzbilder mithilfe von Zahnbürsten, die mit Deckfarbe getränkt über ein Sieb gerieben werden.

Beispiel Spritztechnik: Klassenprojekt Adventskalender

Bei dieser Technik spritzt es kräftig, was den Schülerinnen und Schülern sehr viel Spaß macht. Werden vorher Gegenstände oder Pflanzenblätter auf das Papier gelegt, hinterlassen diese nach dem Wegnehmen weiße Flächen. Diese Flächen können in einem zweiten Spritzgang auch wieder farbig gestaltet werden, scheinen zum Schluss aber trotzdem noch auffällig hervor!


Ergänzungen / Alternativen
  • Vor Anwendung der Spritztechnik kann ein „normales“ gegenständliches Bild mit Deckfarben gemalt werden. Erst anschließend kommen die Spritzfarben zum Einsatz und tauchen das Ursprungsbild in einen bunten Farbnebel. Diese Vorgehensweise ist besonders für Jüngere geeignet, die ansonsten mit einem zu abstrakten Bildinhalt noch nicht so viel anfangen können.
  • Spannend wird es, wenn mit der Zahnbürste nicht nur eine, sondern verschiedene Deckfarben hintereinander aufgespritzt werden. Damit lassen sich schöne Farbübergänge erzielen oder einzelne Flächen stärker akzentuieren. Auch wenn die Bildgestaltung mit der Bürste gesteuert werden kann, das anschließende Spritzergebnis überzeugt mit vielen, zufälligen Elementen.

Pustebilder

Benötigt wird zusätzlich:

  • Schwamm
  • Fasermaler Colorella duo
  • Neben Deckfarben eignet sich auch Tinte für diese Bilder

Die sehr flüssig angerührte Deckfarbe kann zunächst mit einem Schwamm streifenartig auf dem Zeichenblock ausgebracht werden. Dann wird gepustet und zwar von allen Seiten. Je flüssiger die Farbe ist, desto mehr Arme entstehen die immer länger werden. Ist eine Fläche getrocknet, kann der Vorgang mit dem Aufbringen einer neuen, flüssigen Farbspur an einer anderen Stelle gestartet werden.

Ergänzungen / Alternativen
  • Pustebilder können von mehreren Schülerinnen und Schülern gleichzeitig erzeugt werden. Dafür setzt sich die Gruppe um einen Tisch herum und jeder pustet von seiner Seite.
  • Nach dem Trocknen können zufällig entstandene Flächen mit Deckfarben oder Fasermalern ausgemalt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Gestaltung der Pustelinien und hier besonders ihrer Enden. Sie können mit farbigen Punkten, Kringeln oder Pfeilen verziert werden.
  • Interessant ist die Nutzung von verschiedenen Deckfarben, die an unterschiedlichen Stellen des Papiers ausgebracht werden. Beim Pusten laufen die Farben dann ineinander und erzeugen eine bunte Farbpalette.

Bildbeispiele Pustebilder (Deckfarben oder königsblaue Tinte, viel Puste):


Einfache Pustetechnik: Farbe verteilt sich durch Puste auf dem Bild.

Gestaltete Pustetechnik: Zufällig entstandene Flächen werden mit Deckfarben und Fasermalern (z. B. Colorella duo) zusätzlich ausgemalt.

Décalcomanie (Abklatschtechnik)

Benötigt wird zusätzlich:

  • Unterschiedliche Pinsel
abklatschrechnik

Bei der Décalcomanie entstehen auf einfache Art und Weise sehr vielseitige Zufallsbilder, wie in unserem Beispiel, bei dem wir nur eine Bildhälfte abgebildet haben. Charakteristisch ist für diese Technik aber ein spiegelgetreues Abbild. Dafür wird zunächst die obere Seite des Zeichenblockblattes einseitig abgelöst, mittig gefaltet und wieder aufgeklappt. Nun werden die gewünschten Deckfarben angerührt und mit jeweils verschiedenen Pinseln in die Mischnäpfchen gegeben. Das hat die Vorteile, dass sich die Farben zügiger auftragen lassen und sich nicht im Kasten vermischen. Nun werden unterschiedliche Farben auf den Blattfalz, und darum herum, aufgetragen. Die Farben sollten nicht zu trocken angelöst werden, da sie sich sonst schlecht verteilen. Dann wird das Blatt im vorherigen Falz geknickt und die Farben mit dem Handballen verrieben. Die Verteilung lässt sich kaum steuern, da die Deckfarben sich ganz nach Belieben verteilen.


Ergänzungen / Alternativen
  • Etwas zusätzliches Deckweiß aus der Tube verleiht den Farben eine besondere Nuance.
  • Nach dem Trocknen können zusätzliche Farben in einem zweiten Arbeitsschritt aufgetragen werden.
  • Werden entsprechende Farben zusammengestellt, sind auch jahreszeitliche Varianten sind denkbar (Für Ostern: z.B. Gelb, Blaugrün und Zinnoberrot, dkl., oder für Weihnachten: Zinnoberrot, dkl. und Schwarz).


Farbkontraste erzeugen Spannung im Abklatschbild.

Unterschiedliche Farbtöne lassen sich vielfältig interpretieren.

Bei jahreszeitlicher Gestaltung kommt es auf die Farbauswahl an.

Frottage

Benötigt wird zusätzlich:

  • Wasserfeste Wachsmalstifte

Frottage mit Deckfarben ist zunächst schwer vorstellbar. Für den Abrieb mit Wachsmalstiften dienen sie in unserem Fall vielmehr als Farbunterlage. Dafür sind besondere Farben nötig, die sich aufgrund ihres hohen Pigmentanteils nicht sofort von den Wachsmalstiften abreiben lassen. Pelikan Deckfarben scheinen, wie in unserem Beispiel, sogar noch stärker zu leuchten, wenn sie mit Wachsmalstiften übermalt werden.

Mit Deckfarben wird zuerst eine Zeichenblockfläche farbig bemalt. Ein satter Farbauftrag unterstützt die anschließende Frottage, da sich die Muster stärker abbilden und kontrastierend zum Untergrund wirken. Die Deckfarbe sollte anschließend gut trocknen.

Wasserfeste Wachsmalstifte schützen vorm Verschmieren, falls auf dem Blatt noch Restfeuchtigkeit vorhanden ist. Dann wird das Zeichenblatt auf einen leicht unebenen Untergrund (Fliesen, Steinplatte etc.) gelegt und mit einem Wachsmalstift mit wenig Druck übermalt. Wird die Malfläche größer, erscheint wie von Geisterhand das darunterliegende Relief in der Farbe des Wachsmalstiftes. Die Deckfarbfläche betont das Muster zum Schluss zusätzlich.

Bildbeispiele Frottage

Weißer Wachmalstift hebt die Details einer Baumrinde besonders hervor.

Um farbige Akzente zu setzen, wird der Untergrund mit unterschiedlichen Deckfarben variiert. Verschiedene Reliefs mit demselben Wachsmalstift erzeugen eine zusätzliche Spannung beim Betrachter.

Action-Painting

Benötigt wird zusätzlich:

  • Tonkugeln
  • Kartonboden in Zeichenblattgröße (alternativ gebrauchte Transportschale für Pflanzen aus dem Baumarkt)
  • evtl. Klebefilm

 

Ein Zeichenblockblatt wird in den Kartonboden oder die Transportschale eingepasst. Ist das Blatt kleiner als der Karton, wird es einfach mit Klebefilm am Boden befestigt. Zum Bemalen der Tonkugeln wird Deckfarbe benötigt, die nicht zu flüssig angerührt werden sollte. Diese wird in ein Deckelnäpfchen des Deckfarbkastens gegeben. Hier kann auch der Farbton nach Belieben verändert oder ergänzt werden. Dann werden die Tonkugeln kurz in das Näpfchen getunkt und einfach auf das Zeichenblatt gelegt. Durch Schwenkbewegungen beginnen die Kugeln zu rollen und hinterlassen farbige Spuren.


Ergänzungen / Alternativen
  • Eine Kugel hinterlässt immer nur einen Farbabstrich. Deshalb sollte mit mehreren Kugeln experimentiert werden, die gleichzeitig über den Boden rollen. So entstehen in kurzer Zeit viele Farbstriche, die das Bild noch schneller füllen.
  • Die Tonkugeln können in verschiedenen Farbtönen bemalt werden. So entstehen witzige Muster, da einige Stellen mit anderen Farben übermalt werden. Der Zufallscharakter dieser Technik wird hier besonders deutlich.
  • Das Action-Painting lebt von der Deckfarbe. Andere Farben hinterlassen ganz andere Farbspuren: Bei PLAKA wird sie breitflächiger, bei Tinte wird die Farbspur schmaler.

 

Bildbeispiele Action-Painting (Deckfarben, Tonkugeln)

Einfache Rolltechnik: Mit Deckfarbe bemalte Tonkugeln erzeugen Spuren.



Erweiterte Rolltechnik: Einzelne Flächen werden farbig akzentuiert.


Gestaltung: Zufällig entstandene Muster werden ausdifferenziert, z.B. ein Gespenst.